Mittwoch, 13. Juli 2016

1. Drama Baby Drama

Und ich habe gedacht, dass der elends lange Haatsch nicht zu übertreffen sei. Da habe ich mich aber getäuscht. Nun sicher bin ich vom Flug erschöpft, die lange Fahrt vom Flughafen und der Jetlag lassen mir bloß 3 Stunden Schlaf bevor es um 6 Uhr in der Früh los geht unsere Boote mit dem Nötigsten für die nächsten 2 Tage zu füllen. Der Upper Cherry Creek (UCC) soll ja eine willkommene Einstimmung auf den Middle Fork of  the Kings (MFK) sein. Meine Anreise hätte nicht treffender sein können, einen Tag später und das Wasser wäre schon zu wenig gewesen. Ich schultere das Boot samt Füllung. Im ersten Drittel der Wanderung zum Einstieg, sprich in den ersten 2 Stunden bin ich drauf los, als wäre das alles eine nette Wanderung. Zwischenzeitlich fand sich auch noch Energie zu filmen. Das Gewicht war durchaus ansprechend, aber nicht unerträglich, jedoch sollten sich die 40 Kilo am Rücken in was echt Biestiges verwandeln. Ich hatte anfangs noch Tragepassagen von gut und recht 30 Minuten. Die erste längere Pause kam genau richtig, ermüdet, guter Dinge und die Schmerzen waren erträglich. In den darauffolgenden 2 Stunden habe ich einen entscheidenden Fehler fortgeführt, der sich schon angebahnt hatte. Aus fehlender Kraft heraus habe ich darauf verzichtet ausreichend zu trinken oder noch schlimmer, bin ich unglaublich leichtfertig an der letzten Wasserstelle vorbei gegangen, ohne meine Wasservorräte aufgefüllt zu haben. Die 4. Stunde wurde zur Charakterschule. Bergauf, erdrückend Hitze und ich vollkommen dehydriert, mit Schmerzen zwischen den Zehen, in Knien, in Hüfte und Schultern, aber vor allem im Kreuz. Mannomann, 10mweise schleppe ich mich voran, jede Pause an und für sich ist schon eine Challenge. Ich balanciere das 2m über mir hochragende Unding nach hinten, versuche dabei nicht weg zu kippen und setze den Spitz meine Bootes hinter mir zwischen die Beine auf den Boden und versuche zuallerletzt die 40kg an einem Baum an zu lehnen. In der nach einer Gottesanbeterin anmutenden Stellung verharre ich, bis ich glaube den nächsten Weg in den nächsten Schatten schaffen zu können. Jedoch ... die Schatten werden weniger! Die Landschaft verändert sich. Der kalifornische Kiefern- und Zedernwald wird spärlicher und weicht langsam einer mondähnlichen Landschaft, in der weitläufiger Granit die Gegend prägt. Ungläubig nehme ich in meinem Dunst eine leicht grün werdende weitläufige Mulde wahr, in der eine Quelle sein sollte. Aus Filmen kennt man das, wenn halb Verdurstende nach Wasser lechzen. Ich sehe mich als Charles Bronson in der Hitze der Wüste dem Verdursten nahe. Unglaublich, dort ist saftiges Gras mit anmutenden Blumen im Schatten riesiger Zedern und tatsächlich einem kleinen Tümpel, der durch ein frisches Rinnsal gespeist wird. Gott was bin ich erleichtert. Ich lass das Ding, Ding sein und kauere mich neben dem Wasser am Boden und genieße kaum wie selten zuvor den wohltuenden Geschmack frischen Wassers. Mein Mund ist ja beinahe von selbst zusammen geklebt. Ich habe ja kurz vorher einen weiteren entscheidenden Fehler begangen, einen Magnesiumshot in Pulverform mir in den Mund zu schütten, in der Hoffnung dadurch Energie zu gewinnen, aber wie unschwer zu erraten, sinnlos und saudämlich. Mann bin ich fertig, aber erst am Ende des 2. Drittels? Das darf nicht sein. Die anderen kommen nach und nach. Ich lieg ausgestreckt am Boden und versuche meine Situation bestmöglich zu kaschieren. Ich zeige doch keine Schwäche. Gelingt mir nicht ganz. Nochmals 2 Stunden - nie und nimmer. Ich habe ja gedacht ich sei so fit und schaff das wie alle Zeitangaben bei Wanderwegen deutlich zu unterbieten, aber nix da, 6 Stunden reine Gehzeit mit 40kg am Buckel in beschissener Aufhängung und Balance, wie verdammt machen das die Sherpas? Weiß nicht wie, aber zwischen Hoffnung, Verzweiflung und purer Rationalität habe ich lernen dürfen. Das 3. Drittel, die letzten 2 Stunden sind die überraschenderweise Erträglichsten. Alle 8-9 Minuten 1-2 Minuten Pause, alle 20 Minuten Wasser trinken, langsames Gehen in vollster Konzentration und heppa juppidu, ich seh den Fluss und bin schon da, nachdem ich mich fast verkoffere, fall um und bleibe angeschnallt liegen.

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