Was für ein euphorisches Gefühl! Schöner der Moment kaum sein könnte: what a relief. In bedächtiger Langsamkeit, fast wie in einem Film, in Trance richte ich meine Dinge, pack aus, geh schwimmen, pack ein, zieh mich an und bin tatsächlich fertig zum Losfahren. Die ersten fein geschliffenen Granitrutschen in mondähnlicher Landschaft ziehen an mir vorbei. Fast unbeteiligt genieße ich die ersten Momente in surreal schöner Landschaft. Gott (schon wieder Gott?) sei Dank geht es nicht gleich voll los. Das Tal ist weit ausragend geformt, wie ein riesige Salatschüssel. Da und dort erkämpft sich eine Zeder ihren Platz und trotzt dem glatten Granit eine Nische ab in die sie ihre Wurzeln schlagen kann. Ich erhole mich langsam. Links und rechts von mir schließt sich das Tal und glatte Wände ragen gen runder Granitkuppen in schwindelerregender Höhe. Ein Paradies für David Lama oben, für mich unten, wo das Wasser kreisrunde Gumpen in den Fels gefräst hat, von denen wir aus, über Wasserfälle wieder talwärts springen. Disneyland für echte Männer mit hohem Risiko eines bösen Schwumms. Passiert dem Michi auch. In der Kirschenbombe (Cherrybomb) folgt einer langen Rutsche ein Wasserfall mit anschließendem Abfall, der sich in ein rückläufiges Wehr verwandelt. Prompt kippt er kurz vorher um und reitet ein. Gott (schon wieder) sei Dank habe ich es vor seiner Fahrt geschafft, doch in die fast senkrechte Wand zu klettern, um tolle Filmaufnahmen machen zu können. Er kämpft wirklich brav, schafft es aber nicht raus und badet ab. Durch Glück und Routine schiebt er sich aus dem tödlichen Sog und fängt meine Rettungsleine. Ich höre ihn quer über den Fluss bis zu mir rüber nach Luft ringen. Er ist nach der erschöpfenden Wanderung und nach dem hier am Ende seiner Kräfte. Selbst die eine Nacht nach den ersten Schluchten des UCC hat ihm nicht die nötige Kraft geben können, sich dem Ganzen zu widersetzen. Wie durch ein Wunder (Wunder?) treibt das Boot in seine Hände und das Paddel in eine kleine Kehre. Wir verharren eine Weile zwischen senkrechten Wänden bis Weiteres getan werden kann. Er bis zur Brust im Wasser auf einem Felssims stehend und ich mit dem Seil in der Hand auf glattem Granit gegenüber. Schlussendlich ziehe ich ihn rüber, er leert das Boot und wir werden von Rok und Darin durch den Rest der Schlucht geguidet. Einfacher wird es nicht. Krämpfe, Erschöpfung und angeschlagenes Selbstvertrauen begleiten Michi nach unten. Ein Jammer einen gestanden Mann so kämpfen zu sehen. Öfters muss er seine Fahrt gebeutelt von Schmerzen in Unterarmen und Bauchmuskeln unterbrechen. Mehrere Stellen traut er sich nicht mehr zu und um trägt sie. Gegen Ende unserer Fahrt überfliegt uns ein Helikopter und wir erahnen Böses, hoffen aber noch auf glimpflichen Ausgang, was sich leider nicht bestätigen sollte. Es stellt sich heraus, dass der Gruppe nach uns just das gleiche passiert ist, nur es ihnen nicht vergönnt war, das der Schwimmer sich aus dem Sog befreien konnte und dort verstarb.
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